Wo es kostenlos Hilfe gibt

Pflegeberatung

Pflegeberatung ist kostenlos, oft trägerunabhängig und in vielen Fällen rechtlich vorgeschrieben. Trotzdem nutzt nach Schätzungen weniger als ein Drittel der Berechtigten dieses Angebot aktiv.

Pflegeberaterin im Gespräch mit einer älteren Dame an einem Tisch — eine typische Beratungssituation.

Drei Arten von Pflegeberatung — und warum die Unterschiede zählen

Wenn von „Pflegeberatung” die Rede ist, sind oft drei verschiedene Dinge gemeint, die unterschiedlich gesetzlich verankert sind. Eine ausführliche Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie ihr den §7a-Anspruch aktiv geltend macht, steht in Pflegeberatung kostenlos nutzen.

FormRechtsgrundlageWer hat AnspruchHäufigkeit
Pflegeberatung§7a SGB XIjede:r mit Pflegeantragso oft wie nötig
Beratungseinsatz§37.3 SGB XIPflegegeld-Bezieherhalbjährlich (PG 2/3), vierteljährlich (PG 4/5)
Pflegekurs§45 SGB XIpflegende Angehörigeals Kurs (mehrere Termine)

Alle drei sind kostenfrei und werden direkt von der Pflegekasse oder über anerkannte Träger finanziert. Die Funktionen unterscheiden sich aber deutlich.

Pflegeberatung nach §7a SGB XI — der Rechtsanspruch

Jede gesetzlich versicherte Person, die einen Antrag auf Pflegeleistungen gestellt hat, hat Anspruch auf eine umfassende, individuelle Beratung. Das gilt:

  • ab dem Tag der Antragstellung (nicht erst ab Bescheid),
  • für die pflegebedürftige Person selbst,
  • aber auch für pflegende Angehörige als eigenen, parallelen Anspruch.

Die Beratung kann telefonisch, in einer Beratungsstelle oder als Hausbesuch stattfinden — letzteres ist bei eingeschränkter Mobilität oder neuer Pflegesituation oft die nützlichste Form.

Eine Ärztin spricht mit einer Seniorin in einem ruhigen, hellen Pflegezimmer.
Pflegeberatung nach §7a kann telefonisch, in der Beratungsstelle oder als Hausbesuch stattfinden — letzteres ist bei eingeschränkter Mobilität meist die nützlichste Form.

Wer berät — drei Anbieter mit verschiedenen Stärken

AnbieterTrägerStärken
Pflegeberatung der Pflegekassejeweilige Krankenkasseschnell verfügbar, kennt die kasseneigenen Verfahren
PflegestützpunktLand, Kassen, Kommuneträgerunabhängig, beste Übersicht über regionale Anbieter
Unabhängige PflegeberatungCompass (privat), Wohlfahrtsverbändespezialisierte Kompetenz (Demenz, Migration, Junge Pflege)

Bundesweit existieren etwa 540 Pflegestützpunkte. Sie sind in den meisten Fällen die nützlichste erste Anlaufstelle, weil mehrere Kassen und die Kommune unter einem Dach beraten.

Beratungseinsatz nach §37.3 — die übersehene Pflicht

Wer ausschließlich Pflegegeld bezieht (also keinen Pflegedienst hat), muss in regelmäßigen Abständen einen Beratungseinsatz in Anspruch nehmen:

  • Pflegegrad 2 und 3: halbjährlich
  • Pflegegrad 4 und 5: vierteljährlich

Die Beratung übernimmt entweder ein Pflegedienst, ein anerkannter Beratungsdienst oder eine Pflegeberaterin der Kasse. Inhaltlich geht es um die Versorgungssituation, neue Hilfsmittel und Tipps für Angehörige.

Wird der Beratungseinsatz wiederholt verpasst, kann die Pflegekasse das Pflegegeld kürzen oder einstellen. Der häufigste Grund: niemand erinnert die Familie daran, der Pflegedienst meldet sich nicht von selbst.

Pflegekurse — kostenlos, oft unterschätzt

Pflegekassen finanzieren Pflegekurse für pflegende Angehörige. Inhalte reichen von Grundtechniken (Lagerung, Mobilisierung, rückenschonendes Heben) bis zu spezifischen Themen (Demenzbegleitung, Wundpflege, Medikamentenmanagement).

Anbieter sind unter anderem AOK, Caritas, Diakonie, Malteser sowie viele unabhängige Pflegedienste. Die Anmeldung läuft direkt beim Anbieter, die Pflegekasse zahlt im Hintergrund. Auch Online-Pflegekurse sind anerkannt — sinnvoll für berufstätige oder ortsfern wohnende Angehörige.

Was die Beratung nicht macht

Damit die Erwartung passt — drei Dinge, die §7a-Pflegeberatung nicht leistet:

  • Keine medizinische Beratung. Bei Therapie- oder Medikamentenfragen ist der Hausarzt oder die behandelnde Klinik zuständig.
  • Keine Rechtsberatung. Bei Streit mit Pflegekasse oder Heim ist eine Anwältin nötig — oder die kostenfreie Rechtsberatung über Sozialverbände wie SoVD oder VdK (Mitgliedschaft erforderlich).
  • Keine Pflege selbst. Sie organisiert Pflege, übernimmt sie aber nicht.

Was als nächstes

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Pflegestützpunkt
Trägerunabhängige, kostenfreie Beratungsstelle. Hilft bei Antragstellung, Auswahl von Pflegediensten und Vermittlung weiterer Hilfen. Bundesweit ca. 540 Standorte.
Beratungseinsatz nach §37.3 SGB XI
Pflicht-Beratung für alle, die ausschließlich Pflegegeld beziehen. Pflegegrad 2 und 3 halbjährlich, Pflegegrad 4 und 5 vierteljährlich. Wird sie verpasst, kann die Pflegekasse das Pflegegeld kürzen.
Pflegekasse
Trägerin der gesetzlichen Pflegeversicherung; sitzt bei der jeweiligen Krankenkasse. Zuständig für Einstufung, Bescheid und Auszahlung der Leistungen.
Medizinischer Dienst (MD)
Begutachtungsdienst der gesetzlichen Pflegekassen. Stellt im Auftrag der Kasse den Pflegegrad fest. Bei privat Versicherten übernimmt die Aufgabe Medicproof.

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