Pflege zu Hause organisieren

Häusliche Pflege

Über drei Viertel aller Pflegebedürftigen in Deutschland werden zu Hause versorgt — meist von Angehörigen, oft mit zusätzlicher Unterstützung. Was die Pflegekasse dafür zahlt und wie sich Pflege zu Hause organisieren lässt, ohne dass jemand zusammenbricht.

Zwei Frauen sitzen am Holztisch und unterstützen sich gegenseitig — Szene zwischen pflegender Angehöriger und der pflegebedürftigen Person.

Pflege zu Hause — die häufigste Versorgungsform

In Deutschland werden rund vier von fünf Pflegebedürftigen zu Hause versorgt — überwiegend von Angehörigen, häufig mit Unterstützung durch ambulante Pflegedienste, Tagespflege oder zeitweise Vertretung. Die Pflegeversicherung ist auf dieses Modell ausgerichtet: Sie unterstützt mit Geld und Dienstleistungen, übernimmt die Organisation aber nicht.

Diese Übersicht zeigt, wer pflegt, was die Kasse dazugibt und wo die typischen Engpässe sind.

Wer kann zu Hause pflegen?

Drei Konstellationen sind in der Praxis verbreitet:

ModellWer pflegtWas die Kasse zahlt
AngehörigenpflegeTochter, Sohn, Partner, GeschwisterPflegegeld (ab PG 2: 347–990 €/Monat)
Ambulante PflegePflegedienstPflegesachleistung (ab PG 2: 796–2.299 €/Monat)
MischmodellAngehörige + PflegedienstKombinationsleistung — anteilige Auszahlung

In den meisten Familien beginnt die Pflege als reine Angehörigenpflege. Mit fortschreitendem Pflegebedarf kommt häufig ein ambulanter Pflegedienst dazu, später ggf. auch eine Tagespflege. Was die Kombination aus Pflegegeld und Sachleistung im Detail bedeutet — und welche Mitteilung an die Kasse oft vergessen wird — steht in Pflegegeld 2026.

Was die Pflegekasse für die häusliche Pflege bereitstellt

Hinzu kommen:

  • Tages- oder Nachtpflege — bis 1.357 €/Monat bei Pflegegrad 3 für teilstationäre Versorgung in einer Einrichtung; läuft neben dem Pflegegeld, ohne Anrechnung.
  • Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen — einmalig bis 4.180 € pro Maßnahme, etwa für Treppenlift oder Badumbau.
Eine Pflegekraft erledigt Haushaltsaufgaben in einer Küche — Teil der ambulanten Versorgung.
Häusliche Pflege heißt nicht nur Körperpflege, sondern auch Haushaltsführung, Begleitung und Tagesstrukturierung.

Vertretung und Entlastung — was bei Engpässen geht

Pflege zu Hause ist nur tragfähig, wenn die Hauptpflegeperson Atempausen hat. Drei Instrumente sind dafür vorgesehen:

  • Verhinderungspflege. Bei Urlaub, Krankheit oder einfach Erschöpfung der pflegenden Person. Bis zu 6 Wochen pro Jahr; Budget 1.685 € (mit Kurzzeitpflege-Übertragung bis 3.539 €).
  • Kurzzeitpflege. Vollstationäre Pflege auf Zeit, bis zu 8 Wochen pro Jahr; Budget 1.854 €. Sinnvoll bei Klinikübergängen oder wenn die häusliche Pflege akut nicht möglich ist.
  • Stundenweise Entlastung über §45b. 131 € pro Monat für anerkannte Entlastungsangebote — Betreuung, Begleitung, haushaltsnahe Hilfen.

Pflegende Angehörige absichern

Wer mindestens 10 Stunden pro Woche an mindestens 2 Tagen pflegt, kann sich von der Pflegekasse als Pflegeperson anerkennen lassen — siehe Pflegende Angehörige 2026: Rente, Krankenversicherung, Pflegezeit. Die Pflegekasse zahlt dann:

  • Rentenbeiträge in die gesetzliche Rentenversicherung — bei Pflegegrad 5 rund 600 €/Monat.
  • Beiträge zur Arbeitslosenversicherung, falls die berufliche Tätigkeit unterbrochen wird.
  • Beiträge zur Krankenversicherung, wenn die bisherige Versicherung wegfällt.

Dazu gibt es das gesetzliche Recht auf Pflegezeit (bis 6 Monate Auszeit) und Familienpflegezeit (bis 24 Monate reduzierte Arbeitszeit) — beides mit Kündigungsschutz und zinslosem Darlehen zur Überbrückung des Einkommensausfalls.

Wenn es zu Hause nicht mehr geht

Auch wenn die häusliche Pflege grundsätzlich gewollt ist — manchmal ist sie nicht mehr leistbar. Dann gibt es zwei Übergangsformen, bevor die vollstationäre Heimpflege ansteht:

  • Tagespflege — die pflegebedürftige Person verbringt den Tag in einer Einrichtung, kommt abends nach Hause. Entlastet vor allem berufstätige Angehörige.
  • Ambulant betreute Wohngemeinschaft — kleine Wohngruppen mit Pflegekraft, gemeinsame Versorgung. Wohngruppenzuschlag der Kasse: 224 €/Monat ab Pflegegrad 1.

Beide Formen sind in vielen Regionen knapp — der Pflegestützpunkt vor Ort ist die beste Anlaufstelle für die Suche. Wie ihr die kostenfreie Pflegeberatung nach §7a SGB XI aktiv anfordert, beschreiben wir separat.

Was als nächstes

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Kurzdefinitionen aus unserem Pflege-Glossar — alle gesammelt im ausführlichen Glossar.

Kurzzeitpflege
Vollstationäre Pflege auf Zeit, z. B. nach Krankenhausaufenthalt oder zur Entlastung pflegender Angehöriger. Ab Pflegegrad 2, bis zu 8 Wochen jährlich, Budget 2026: 1.854 € pro Jahr (kombinierbar mit Verhinderungspflege).
Verhinderungspflege
Vertretung der Hauptpflegeperson, wenn sie verhindert ist. Ab Pflegegrad 2, bis zu 6 Wochen jährlich, Budget 2026: 1.685 € (mit übertragener Kurzzeitpflege bis 3.539 €).
Pflegegeld
Geldleistung der Pflegekasse für die Pflege durch Angehörige oder andere private Pflegepersonen. Ab Pflegegrad 2, monatlich. Aktuell (2026): 347 € (PG 2) bis 990 € (PG 5). Wird auf das Konto der pflegebedürftigen Person ausgezahlt.
Pflegesachleistung
Leistung der Pflegekasse für Pflege durch einen ambulanten Pflegedienst. Ab Pflegegrad 2. Aktuell (2026): 796 € (PG 2) bis 2.299 € (PG 5) pro Monat.
Kombinationsleistung
Anteilige Kombination von Pflegegeld (für Angehörigenpflege) und ambulanten Sachleistungen (Pflegedienst). Ergebnis: Pflegegeld wird im Verhältnis zum ausgeschöpften Sachleistungs-Anteil gekürzt — nicht ganz gestrichen.
Pflegestützpunkt
Trägerunabhängige, kostenfreie Beratungsstelle. Hilft bei Antragstellung, Auswahl von Pflegediensten und Vermittlung weiterer Hilfen. Bundesweit ca. 540 Standorte.

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